Sonntag, 18. November 2012

I get a kick from Champagne

All meinen lieben, regelmässigen Leserinnen, die sich wundern, was soviel bildloser Text heute soll, empfehle ich einen Blick auf den vielversprechenden Blog von Kathrin, die den heutigen Exkurs verschuldet hat. Inspiriert allerdings von Mrs. Little Edition, die mit ihrem Blog.Schreib.Work.Shop möglicherweise in den nächsten Monaten dafür sorgen wird, dass Euch hier längerfristig spannendere Texte erwarten als bloss "Hier seht Ihr das Stempelset X, das ich mit dem dazugehörigen Framelit Y ausgestanzt habe." Klar, man könnte auch mal ein total unpassendes Framelit nehmen. Das würde bestimmt auch Aufmerksamkeit erregen. Aber ich dachte, nach fast drei Jahren Bloggen arbeite ich jetzt mal am Text. Im 1. Kapitel (das ich - typisch für mich - übrigens mit Verspätung in Angriff genommen habe) ist ein Text zu Champagner, Käse oder Whisky gefragt. Keine Frage, wofür ich mich entschieden habe. Obwohl ich mir ein Leben ohne Käse beim besten Willen nicht vorstellen kann.

 __________________________

Die ersten zwanzig Jahre meines Lebens fanden ohne Alkohol statt. Dafür hatten meine Eltern CHF 1'000 ausgelobt und obrigkeitsgläubig wie ich (damals?) war, habe ich mich auch daran gehalten. Eine Ausnahme gab es: Der Champagner zu Silvester wurde ab dem zarten Alter von ungefähr 12 Jahren auch mir Nesthäkchen erlaubt. Er stammte aus Aÿ in der Champagne (natürlich, woher soll Champagner denn sonst kommen, auch wenn damals das inzwischen berühmte Urteil soweit ich weiß noch nicht erstritten worden war) und war allein deshalb besonders, weil mein Vater sich jeweils selber um den Import gekümmert hatte. Es kursierten Geschichten von Weinfreunden (hier nicht etwa verstanden als gemeine Weinliebhaber, sondern als Mitglieder der Schweizerischen Vereinigung der Weinfreunde), die im Kleintransporter Importreisen unternahmen. Von Geschäften, über die man ihn beziehen konnte. Und überhaupt war es aufregend, weil es eben Silvester war. Gefeiert wurde mal zu Hause, mal in den Bergen. Immer mit Freunden. Und stets wurde Lotto gespielt. Doch egal wie spannend das Spiel, wenn es gegen Mitternacht ging, musste es unterbrochen werden. Die Gläser wurden in den Tiefkühler gelegt oder auf die Terrasse gestellt. Es herrschte gespannte Ruhe -  und dann wurde endlich die Flasche entkorkt. Ein Schauspiel für sich! Sprudelt es über? Knallt der Korken gegen die Decke? Trifft er gar jemanden? Zitternd vor Kälte – die Türen mussten ja offen sein, sonst hätte man eventuell die Glocken zum Jahreswechsel verpasst – und dennoch von der Vorfreude gewärmt, schauten wir andächtig zu, wie mein Vater die Kelche füllte, sorgsam bedacht, dass die golden perlende Herrlichkeit die geschliffene untere Hälfte nicht überstieg. Von 10 zurückzählen. Anstoßen. Ein frohes Neues Jahr wünschen, sich ein wenig ängstlich fühlen ob dem Gedanken an die Geschehnisse, die selbiges für einen bereit haben könnte, und endlich, endlich die Lippen ansetzen und das erste Mal kosten.

Ob er heute wirklich noch genauso schmeckt wie damals, ist schwer zu sagen. Doch mich katapultiert der trockene, stark perlende und herbe Champagner von diesem (inzwischen nicht mehr ganz so unbekannten und von mir mittlerweile dreimal besuchten) Winzer in Aÿ noch heute in Bruchteilen von Sekunden zurück in die Silvesternächte meiner Kindheit. Allein dafür müsste ich ihn lieben. Wenn ich an all die Abende denke, die ich seither mit allen möglichen Arten von trockenen Schaumweinen am Küchentisch, in gemütlichen Bars, bei schicken Dinners oder anderswo zugebracht habe, kann ich nur sagen: Champagner, my love! Da mögen die Weintrinker entgegnen, was sie wollen. Wenn Champagner mit Kohlensäure versetzter schlechter Wein sein soll, dann kann das Leben gar nicht lange genug sein, um schlechten Wein zu trinken! 
 __________________________

PS. Morgen gibt's wieder was zu sehen. Grosses Stampin' UP! Demonstratorinnenehrenwort. So gefüllt wie heute war meine diesbezügliche Pipeline nämlich schon lange nicht mehr. Stay tuned. Selbst wenn Ihr keinen Champagner mögt ;-)

3 Kommentare:

little edition hat gesagt…

Liebe Annemarie, besser spät, als nie! Hautpsache, Du bist dabei und hast viel Spaß mit dem little blog.shop. Runde Sache: Einleitung und der eigentliche Text, der sich auf Deine Erinnerung als zentrales Thema konzentriert und noch ein P.S. Die Erinnerungen sehr ausführlich, so daß man als Leser ganz lebendig alles miterlebt. Alles sehr, sehr schön! Liebe Grüße und bis zum nächsten Text!!

Kathrinville hat gesagt…

Liebe Annemarie,

welch ein wundervoller Text! Du solltest Dich von Eurem Stamm-Winzer (heißt das bei Champagner überhaupt Winzer) sponsorn lassen oder direkt dort als PR-Beauftragt anfangen. Ich zumindest habe beim Lesen Deines Textes sofort Lust auf ein Gläschen bekommen. Toll, dass Du Deine persönliche Champagnergeschichte beschrieben hast - das gefällt mir noch besser als mein Käse-Werbetext ;-) .
Ich freu mich sehr, dass Du auch beim little blog.shop mitmachst und ich bin schon sehr gespannt auf Deine weiteren Beiträge.

Liebe Grüße,

Kathrin

Anonym hat gesagt…

Was für ein wundervolles Text, Annemarie! Du weisst, wie sehr ich Deien Art zu schreiben mag, so dass ich mich sehr freue, zukünftig noch mehr längere Texte hier zu lesen.
Viele liebe Grüße
Susanne